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„Das war schon eine schöne Quälerei“

HSG-Trainer Sascha Šimec über die abgelaufene Saison, den dünnen Kader, das erreichte Ziel, den Blick in die Zukunft und aufs Derby.

Das Ende der Saison verlief wenig erfreulich für Sascha Šimec, dem Trainer des Handball-Verbandsligisten HSG Gevelsberg-Silschede. Mit vier Niederlagen aus den letzten fünf Spielen rutschte der Oberliga-Absteiger in der Tabelle ab, am Ende steht nach der zum Konsolidierungsjahr ausgerufenen Spielzeit ein sechster Platz. Wir haben mit Sascha Šimec über die abgelaufene Spielzeit gesprochen und einen Ausblick auf die kommende Saison gewagt.

Eine wechselhafte Saison liegt hinter Ihnen. Wie fällt Ihr Fazit für diese Spielzeit aus?

Sascha Šimec: Aufgrund der letzten Ergebnisse ist es etwas getrübt, dennoch denke ich, können wir angesichts der Umstände zufrieden sein. Wir wollten das Team nach dem Abstieg auffangen und uns neu aufstellen. Das haben wir geschafft. Die Hinrunde lief dabei noch sehr ordentlich, mit 18:8 Punkten waren wir Zweiter. In der Rückrunde hat sich dann der Substanzverlust ein wenig bemerkbar gemacht und wir konnten nicht mehr so agieren, wie noch in der ersten Hälfte des Jahres. 13:13 Punkte spiegeln das wider. Die Bilanz zeigt aber, dass auch schon in diesem Jahr mehr als Konsolidierung möglich gewesen wäre.

Dafür unterlag die Mannschaft aber noch einigen Schwankungen. Wie kam es dazu?

Wir dürfen nicht vergessen, mit was für einem dünnen Kader wir in diese Saison gegangen sind. Wenn sich da einer direkt zu Beginn verletzt hätte, wären wir am Ende über Platz sechs froh gewesen, so sind wir vielleicht auch ein wenig enttäuscht. In der Hinrunde haben wir noch viel von unserer guten Vorbereitung zehren können, in der Rückrunde fehlte uns das. Die letzten Niederlagen waren dabei unnötig, gerade das Spiel gegen Dortmund hat gezeigt, was uns die ganze Saison über begleitet hat. Da waren zwei Drittel richtig gut und ein Drittel war richtiger Schrott. Im Großen und Ganzen wissen wir die Saison und das Ergebnis unterm Strich gut einzuordnen.

Worin sehen sie die Gründe für die Unbeständigkeit?

Definitiv in unserer Kaderbreite. Wir haben nicht einmal so trainieren können, dass wir im Training sechs gegen sechs spielen konnten. Man kann zwar viele Dinge individuell oder in einer kleinen Gruppe machen, am Ende fehlt es dann aber am gesamten Zusammenspiel. Das war vor allen Dingen in der Abwehr schwierig. Durch den kleinen Kader und manche Ausfälle fehlte es hier und da an der nötigen Intensität im Training, da mussten wir schon sehr dosiert trainieren damit die Spieler am Wochenende auch einsatzfähig waren.

Sie haben die Saison mit zehn Feldspielern überstanden, was für ein Kraftakt war das?

Das war für die Spieler schon eine ganz schöne Quälerei, das hat man im Laufe der Saison gemerkt. Dadurch waren einige Spieler nicht immer ganz auf der Höhe und wir haben in einigen Stresssituationen nicht so reagiert, wie ich mir das vorstelle. Doch das ist auch ein Lernprozess für uns. Jeder muss sich hinterfragen, ob er für den maximalen Erfolg alles getan hat. Insgesamt führt die Summe der Kleinigkeiten zu dem Resultat, die Tabelle am Ende lügt nicht.

In der nächsten Saison ist das Team deutlich breiter aufgestellt. Was erwarten Sie von dieser neuen Tiefe im Kader und den einzelnen Spielern im Detail?

Ich bin ein Optimist und glaube, dass uns das gut tun wird. Die Spieler und ich freuen uns auf die neuen Jungs, wir können dann endlich aus dem Vollen schöpfen. Doch zuerst gilt es, die vielen, vor allem noch sehr jungen Spieler schnell zu integrieren. Dann können wir schnell taktisch ganz andere Dinge machen und werden variabler. In der Vorbereitung wird es vermehrt um Athletik und Defensive gehen, denn nicht zuletzt Haltern hat in dieser Saison gezeigt, was meistens im Handball gilt: In der Abwehr gewinnst du Meisterschaften.

Mit Josip Jukic, Nils Rüggeberg, Lennart Potocki und Lennart Bulk kommen vier sehr junge Spieler. Was erhoffen sie sich von ihnen?

Sie bringen uns ganz neue Möglichkeiten und heizen den Konkurrenzkampf an. Wenn wir ehrlich sind, musste in dieser Saison kaum ein Spieler um seine Einsatzzeiten kämpfen. Das ist in der nächsten Saison anders. Josip ist ein extrem abschlussstarker Spieler, Nils ist sehr spielintelligent. Das haben die beiden in den Einheiten, die sie bisher mitgemacht haben, schon zeigen können. Lennart Bulk wird Sam Lindemann entlasten können, auch wenn Daniel Schrouven seine Rolle auf der ungewohnten Position am Kreis gut gelöst hat. Und Lennart Potocki muss erst einmal wieder fit werden nach seiner Verletzung, kann dann aber ein ganz wichtiger Spieler werden. Er ist sehr variabel einsetzbar und kann, wenn er sich gut bei uns entwickelt, ein spielentscheidender Faktor werden.

Sven Wulf wird mit Christian Scholz das neue Torwartgespann bilden. Was zeichnet ihn aus?

Er hat in Hattingen eine überragende Rückrunde gespielt und ist es gewohnt, das Spiel schnell zu machen. Außerdem ist er ein ganz anderer Torwarttyp mit seiner Größe, allein deshalb ist er ein gutes Äquivalent zu Christian. Wobei ich noch einmal betonen möchte, dass Bastian Olschinka einen tollen Job gemacht hat. Er war immer zuverlässig und hinterlässt menschlich eine große Lücke im Team.

Was erwarten Sie von der kommenden Saison? Ist der Aufstieg in die Oberliga ein realistisches Ziel?

Hier im Verein spricht da keiner im Imperativ, es muss also nicht sein. Wir können ganz oben angreifen wenn alles passt, aber einen Aufstieg kann man nicht planen. Wir wissen ,wie schwer es wird, in dieser attraktiven Verbandsliga im kommenden Jahr oben mitzuspielen. Klar ist aber auch, dass wir uns verbessern wollen. Ich kann mich jetzt schlecht hinstellen und sagen, wir peilen Platz fünf an.

Die Verbandsliga bekommt zu den vielen ohnehin schon leistungsgleichen Teams noch zwei starke Aufsteiger hinzu. Was erwarten Sie von Dorstfeld und Schwelm?

In erster Linie sind wir froh darüber, dass Schwelm dabei ist. Das werden zwei richtig heiße Derbys wo du im Vorfeld nie wissen kannst, wer am Ende gewinnt. Außerdem glaube ich, dass beide Spiele vor großer Kulisse stattfinden werden. Das ist doch das, was unseren Sport ausmacht. Ich glaube, Schwelm wird sich gut etablieren in der Liga, genauso wie Dorstfeld. Wobei die einen unglaublich gut besetzten Kader mit viel höherklassiger Erfahrung haben. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen, da wird jedes Spiel schwierig zu spielen. Unser großes Ziel ist es, als Einheit stärker zu werden und den nächsten Schritt zu machen.

Bericht: Fabian Vogel, Westf. Rundschau
Bild: Jens Pommerenke, airpictures.de

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