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Gevelsberg verstärkt sich aus der Dritten Liga

GEVELSBERG.  Er studiert angewandte Mathematik, er promoviert. Er kann damit rechnen, bei der HSG eine wichtige Rolle zu spielen. Die Hintergründe.

Eigentlich hatte Handball-Oberligist HSG Gevelsberg-Silschede die Personalplanungen für die am 5. September beim Soester TV beginnende Saison abgeschlossen. Der Kader stand – und steht. Allerdings, und das war in den vergangenen Jahren auch immer das Credo der Gevelsberger Handballer, wenn sich zufällig etwas ergeben sollte, sagen wir nicht nein. Und dieses „nicht nein“ hat sich jetzt ergeben. Ein hochgewachsener Hochkaräter stößt zum Kader von Trainer Sascha Šimec: Benedict „Bene“ Philippi, 1,95m groß, Linkshänder, 34 Jahre und mit nahezu 15-jähriger Erfahrung aus der Dritten Liga.

Die Liebe führt Philippi nach Unna

Dabei war gar nicht abzusehen, dass Philippi in Gevelsberg oder Umgebung eine handballerische Station einlegen würde. Mit dem hochklassigen Sport hatte er (fast) abgeschlossen. Denn der Student der Informatik (angewandte Mathematik) arbeitet gerade an seiner Doktorarbeit. Die Promotion (Schwerpunkt: Algorithmen) geht einher mit einer Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Universität – die ist in Kiel. Schlappe 450 Kilometer etwa liegen zwischen beiden Städten.

Und dennoch kam der Kontakt zustande, führte die Liebe Benedict Philippi in unsere Gefilde. Denn seine Wahlheimat ist Unna vor einem Monat geworden. Eine Fernbeziehung von Kiel nach Unna konnte ausgeschlossen werden, weil der Rückraumspieler seine Promotion im Homeoffice schreiben kann – gelegenlichte Meetings in der Uni Kiel sind nicht ausgeschlossen. So kam der Dritt-Liga-Handballer aus dem hohen Norden in den tiefen Westen. Doch damit ist noch keine Verbindung zum Oberliga-Aufsteiger hergestellt.

Carsten Fege stellt den Kontakt her

Die kam durch Carsten Fege, der Vater vom HSG-Linksaußen Christopher Fege. Beide trafen sich zufällig, kamen ins Gespräch und irgendwann wurde das Interesse von Benedict Philippi an dem Gevelsberger Handball geweckt. Schnell wurde ein Probetraining vereinbart, ein erstes Kennenlernen verlief ausgesprochen gut und harmonisch, so dass einer Verpflichtung des Rückraumspielers zunächst für ein Jahr (Philippi: „Ich denke handballerisch mittlerweile nur noch von Saison zu Saison.“) nichts entgegen sprach. „Das passt alles wunderbar“, meinte Christof Stippel, Vorstand und Manager der HSG Gevelsberg-Silschede begeistert.

In den ersten Trainingseinheiten zeigte sich, dass das Zusammenspiel vom Kader um Trainer Sascha Šimec und Benedict Philippi viel Potenzial hat. „Ich merke bei mir durch die Corona-Zwangspause schon einige Defizite“, sagt der Neue. „Allerdings sind das alles Sachen, die sich verhältnismäßig schnell kompensieren lassen.“ Das gelte auch für das Zusammenspiel, für die Laufwege, für die Ballstafetten – insbesondere bei den Tempogegenstößen. „Da ist noch viel Feinarbeit, aber das kommt im Laufe der Zeit“, ist sich Philippi sicher. Auch wenn er seine jugendliche Spritzigkeit vermisst – Alter und ein Riss der Achillessehne vor drei Jahren haben Spuren hinterlassen – ist er zufrieden, „fühlt es sich immer noch gut an, auf der Platte zu stehen“.

„Bene“ ist der vierte HSG-Linkshänder

Für Tempogenstöße ist der Keeper ausgesprochen wichtig. Allen voran Christian Scholz, der als Kapitän die Mannschaft anführt. „Er ist eine der Führungspersönlichkeiten im Kader“, sagt Stippel, der in Philippi eine weitere Führungspersönlichkeit in der Oberliga-Mannschaft sieht. „Alleine durch seine Erfahrung und durch seine Bildung wird er in der Lage sein, unsere jüngeren Spieler gerade in möglichen schwierigeren Situationen führen zu können“, so der HSG-Manager.

Mit Benedict „Bene“ Philippi bekommen die Gevelsberger Oberliga-Handballer den vierten Linkshänder, das macht die Mannschaft von Trainer Sascha Šimec auf der rechten Seite unberechenbarer. Philippi hat seine Position im rechten Rückraum, seine Würfe sind gefürchtet, er wird eine ideale Ergänzung zum weiteren gefährlichen Gevelsberger Rückraumschützen wie Sebastian Breuker darstellen. Und auch in der Abwehr kann der Norddeutsche die Wand vor dem Keeper vergrößern. „Die beiden Positionen, rechter Rückraum und Innenblock, habe ich zuletzt gespielt“, sagt Philippi, ohne allerdings irgendwelche Ansprüche erheben zu wollen.

Es kann die Trikotnummer 34 werden

Das gilt übrigens auch für die Rückennummer des Trikots. Das ist ihm egal (Philippi: „Es ist nur eine Zahl.“), er sieht da keinen Aberglauben in irgendwelche Nummern. Auf Archivfotos ist der mittlerweile 34-Jährige oft mit der Nummer 23 oder 29 zu sehen., „Das war zu den Zeiten, da habe ich die Nummer mit meinem Alter zur Vertragsunterzeichnung nehmen können“, sagt Philippi. In Gevelsberg wäre dies also die Nummer 34 – und die scheint tatsächlich frei zu sein. Die 33 trägt (bisher) Christopher Schrouven, die 37 Sebastian Breuker. Die Nummern dazwischen finden sich nicht auf den Trikots der Ersten, die auf der HSG-Homepage abgebildet sind.

 

Bericht: Heinz-G. Lützenberger, Westfalenpost

Foto: Thomas Maibom / Hamburger Abendblatt

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